PSYCHOLOGISCHE PRAXIS Alexandra Peternell-Mölzer
PSYCHOLOGISCHE PRAXISAlexandra Peternell-Mölzer

Selbstmitgefühl

In der Psychologie wurde und wird sehr viel zum Thema Selbstwert geforscht, letztlich hat sich aber heraus gestellt, dass dieser eher eine Begleiterscheinung bzw. Folge von psychischer Gesundheit, Wohlbefinden und erlebter Produktivität ist. Ein hoher Selbstwert kann natürlich bei Belastungen als Puffer wirken, aber als sinnvoller und hilfreicher hat sich weniger die hohe Selbstbewertungen erwiesen als die angemessene bzw. realistische Selbstbewertung.

Das Moment des Selbst-Mitgefühls wird vermehrt als der eigentliche Schlüssel zu einem positiven Selbsterleben angesehen. Kristin Neff, eine amerikanische Psychologin, sieht das Selbst-Mitgefühl auf drei Faktoren basierend:

  • Freundlichkeit sich selber gegenüber, speziell in Zeiten widriger Lebenserfahrungen
  • Gefühl der Verbundenheit mit allen Menschen/mit der Welt
  • Achtsame Grundhaltung

Mit dem Selbst-Mitgefühl werden Gefühle von Wärme und Freundlichkeit aktiviert und auf sich gerichtet, wie es in der östlichen Philosophie seit Jahrhunderten verwurzelt ist. Selbst-Mitgefühl umfasst eine Annahme der eigenen Fehler und Schwächen. Aus dieser Perspektive wird auch immer berücksichtigt, dass Leiden und leidvolle Erfahrungen Teil der menschlichen Existenz sind.

„Werde, der Du bist.“ ist ein Gedanke, der es als die menschliche Bestimmung ansieht, sich im Sinne des eigenen Potenzials zu entwickeln. Das Selbst ist somit als ein Prozess zu sehen, der eine Tendenz hat zu wachsen und sich zu entfalten. Während der Selbstwert mehr in Verbindung steht mit Handlungsfähigkeit und Wettbewerb, steht das Selbst-Mitgefühl in Verbindung mit Fürsorge und Gemeinschaft, mit unserem Eingebundensein in ein soziales Gefüge. 

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© Alexandra Peternell-Mölzer